
Leben gegen die Gleichgültigkeit
In unserer Veranstaltungsreihe „Leben gegen die Gleichgültigkeit“ wollen wir uns anhand verschiedener Vorträge inhaltlich damit beschäftigen, wie wir in politisch bewegten Zeiten, in der die Welt in ideologische Extreme zu fallen droht, unser christlich-humanistisches Menschenbild wahren und eine Haltung gegen die Gleichgültigkeit entwickeln können.
21. September 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Dombibliothek Hildesheim, Saal
Alles schrecklich ungerecht?
Über Reformen des Sozialstaates, die gerecht, wirksam und finanzierbar bleiben
Referent: Prof. Dr. Georg Cremer
Die Debatte über die Zukunft des Sozialstaats ist stark polarisiert. Die einen sehen einen ausufernden Sozialstaat, die anderen einen kaputtgesparten. Doch jenseits dieser Gegensätze braucht es eine offene Diskussion über Prioritäten und notwendige Reformen. Prof. Dr. Georg Cremer, ehemaliger, langjähriger Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, zeigt auf, warum eine Debatte, die vor allem auf Rückbau und Verzicht setzt, den Reformbedarf nicht löst. Stattdessen geht es um die Frage, wie sozialer Fortschritt unter veränderten finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen kann.
Im Mittelpunkt steht die Vision eines Sozialstaats, der verdeckte Armut wirksam bekämpft, bedürftige Menschen besser erreicht und zugleich auch von Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen als fair wahrgenommen wird. Ein bürgerfreundlicherer Sozialstaat kann seine Potenziale besser nutzen, um Menschen zu stärken und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.
20. Oktober 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Rechtsextremismus erkennen – Haltung zeigen
Referent: Achim Bröhenhorst
Rechtsextreme Einstellungen begegnen uns nicht nur dort, wo wir sie auf den ersten Blick vermuten. Doch woran erkennen wir rechtsextreme Ideologien und menschenverachtende Haltungen? Wie weit sind menschenfeindliche Einstellungen in unserer Gesellschaft verbreitet?
Achim Bröhenhorst arbeitet beim Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen und bringt an diesem Abend seine langjährige Erfahrung in der Prävention von Rechtsextremismus und der Demokratieförderung ein. Gemeinsam mit ihm schauen wir genauer hin und fragen schließlich: Was können wir tun, wenn uns rechtsextreme oder menschenverachtende Aussagen begegnen? Welche Handlungsmöglichkeiten haben wir im Alltag?
Ein Abend über Wahrnehmung, Sprache und die Frage, wie aus Haltung konkretes Handeln werden kann.
5. November 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Menschenwürde unter Druck
Verantwortung in Zeiten von Polarisierung und Krisen
Referent: Prof. Dr. Heiner Bielefeldt
Die internationale Ordnung steht unter Druck: Kriege, autoritäre Entwicklungen, Flucht und Vertreibung sowie zunehmende gesellschaftliche Polarisierung stellen Demokratie und Menschenrechte vor große Herausforderungen. Zugleich prägen Hass, Desinformation und Ausgrenzung vielerorts den öffentlichen Diskurs.
Was bedeutet unter diesen Bedingungen der Anspruch der Menschenwürde? Kann er Orientierung geben – oder bleibt er ein bloßer Appell? Und welche Verantwortung tragen Kirchen, zivilgesellschaftliche Organisationen und jeder Einzelne für den Schutz von Menschenrechten und demokratischen Werten?
Professor Dr. Heiner Bielefeldt, Menschenrechtsexperte und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, geht diesen Fragen nach. Er verbindet die Analyse aktueller internationaler Entwicklungen mit der Frage, wie sich Menschenwürde heute konkret verteidigen und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen lässt.
Rückblick
22. Januar 2026
18:00 bis 19:30 Uhr | Dombibliothek
Die Welt zerfällt. Was tun?
Referent: Hubertus Heil
Zum Auftakt der Reihe „Leben gegen die Gleichgültigkeit“ referiert Hubertus Heil,
Mitglied des Deutschen Bundestages, in der Dombibliothek Hildesheim.
12. Februar 2026
18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Edith Stein: Jüdin – Philosophin – Heilige
Referentin: Dr. Cordula Haderlein
„Wir sind auf der Welt, um der Menschheit zu dienen. Das kann man am besten, wenn man das tut, wozu man die geeigneten Anlagen mitbringt.“
Edith Stein besann sich Zeit ihres Lebens auf Ihre innere Stimme, die sie zum Studium und der Promotion in der Philosophie führte, zum Christentum und schließlich zum Eintritt in den Karmeliterinnen-Orden, bevor sie 1941 von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ermordet wurde. Was können wir in einer umtriebigen Zeit wie dieser von Edith Stein lernen? Wie können wir unsere eigene Stimme, unseren eigenen Weg finden auf dem Weg in eine bessere Welt?
19. März 2026
18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Entscheidung. Alfred Delps Anregungen für einen religiös-politischen Lernprozess
Referent: Benno Haunhorst
Die Zeiten verlangen nach Wandel. Die Probleme fordern heraus. Doch viele Menschen verweigern sich, verharren in Gleichgültigkeit und wollen an ihrem eigenen Verhalten nichts verändern. Der Jesuit Alfred Delp hat in seinem Widerstand gegen die Unmenschlichkeit der Nazis erkannt: Gott steht nicht für heraushalten und zurückziehen. Jesus fordert: Entscheide dich!
Sünde mit System? Die sieben Todsünden und der Kapitalismus
Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit zählen zu den bekanntesten menschlichen „Lastern“.
Seit Jahrhunderten prägen sie Religion, Philosophie, Kunst und gesellschaftliches Denken. Doch wie begegnen uns diese Motive heute?
23. April 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Die sieben Hauptlaster: Historische Wurzeln und heutige Relevanz
Referent: Prof. Alexander Merkl
Die sogenannten „Sieben Todsünden“ prägen seit Jahrhunderten das menschliche Denken und Handeln. Dabei handelt es sich bei den Hauptlastern (vitia capitalia) nicht einfach um kurzfristige Fehltritte, sondern um anthropologische Grundphänomene, die individuell wie gesellschaftlich relevant sind. Prof. Alexander Merkl wird auf Basis seiner Habilitation erläutern, wie Hauptlaster als theologisch-ethisch fundierte Konzepte verstanden werden können.
21. Mai 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Völlerei und Habgier – Todsünden im Alltag unserer Wirtschafts- und Lebensweise
Referent: Peter Kossen
Die sieben Todsünden beschreiben nicht nur persönliche Fehlhaltungen, sondern spiegeln auch gesellschaftliche Entwicklungen wider. Besonders die Themen Völlerei und Habgier zeigen sich heute in globalen Produktionsketten, Konsumgewohnheiten und Arbeitsbedingungen – oft mit Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt. Prälat Peter Kossen setzt sich seit Jahren für die Rechte von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten ein und macht auf Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse aufmerksam.
11. Juni 2026 | 18:00 bis 19:30 Uhr | Aula KEB
Menschenwürde und Arbeitswelt – Todsünden im Spiegel sozialer Wirklichkeit
Referent: Dr. Michael Schäfers
Gesellschaftliche Strukturen spiegeln sich oft in den klassischen sieben Todsünden wider. Besonders Habgier und Gleichgültigkeit prägen vielerorts wirtschaftliche Systeme und führen zu prekären Arbeitsbedingungen. Dr. Michael Schäfers, Grundsatzreferent der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands, greift zentrale Impulse von Papst Johannes Paul II. und Papst Franziskus auf und zeigt Perspektiven für eine Arbeitswelt auf, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Ansprechpartner
Hendrik Dane
Pädagogischer Mitarbeiter
05121 20649-80
dane@keb-hi.de

